KEINE LUST NACH DER GEBURT

Auf die Geburt eures Babys habt ihr so lange gewartet und entgegengefiebert. Klar, dass es nichts Wichtigeres gibt, wenn der oder die Kleine dann endlich auf der Welt ist – nun seid ihr um ein Familienmitglied reicher. Diese großartige Veränderung wirkt sich natürlich auch auf euch als Paar aus und vielen Partnerinnen und Partnern fällt es schwer, wieder zur gewohnten Sexualität überzugehen, ist jetzt doch irgendwie alles anders. Wieso es ganz normal ist, dass ihr keine Lust auf Sex habt, ihr euch erst wieder einander annähern müsst, und wie das gelingt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

 

 

Das Baby ist der Mittelpunkt


Das Baby ist da, die Augenringe sitzen tief. Dass Schlafentzug und Stress nicht gerade Lust auf Sex machen, brauchen wir wohl nicht zu erläutern. Der kleine Schatz hält euch wahrscheinlich ganz schön auf Trab und braucht eure volle Aufmerksamkeit, sodass vielleicht gar nicht an romantische Zeit zu Zweit zu denken ist. Oder ihr habt schlicht keine Zeit, um euch um euch selbst zu kümmern und euch so richtig wohl zu fühlen. Statt gestylten Haaren, rasierten Beinen und Make-up zählt jetzt eben Praktikabilität.


Hormone, Hormone, Hormone


Ihr habt es euch vielleicht bereits gedacht: Mit der Schwangerschaft hat sich euer kompletter Hormonhaushalt verändert. Und auch bei und nach der Geburt produziert der Körper fleißig Hormone, die evolutionär betrachtet Sinn ergeben. So wird das Hormon Oxytocin, das auch als Kuschelhormon bekannt ist, während der Geburt ausgeschüttet, um die Wehen einzuleiten und die Bindung zwischen dir und deinem Kind zu stärken. Es wird jedoch auch bei anderer körperlicher Nähe ausgeschüttet, etwa beim Sex. Da du als frischgebackene Mama aber jede Menge Oxytocin in deinem Körper hast, ist bei dir das Verlangen nach Nähe zum Partner bzw. Sex womöglich noch nicht besonders groß – schließlich bist du ja bereits gut mit dem Kuschelhormon versorgt.


Der Körper hat sich verändert


Neben den hormonellen Folgen der Geburt kommt es natürlich auch zu körperlichen Veränderungen. Zunächst muss sich der Körper erst einmal von den Strapazen erholen, das kann mitunter einige Wochen dauern und wird von der/dem Gynäkologin/-en durch Nachsorgetermine begleitet. Manche Frauen fühlen sich nach einer Geburt auch einfach noch nicht wieder besonders attraktiv und anziehend und sind eher verunsichert. Dabei ist es ganz normal, dass sich der eben noch so prall gefüllte Bauch erst einmal zurückbilden muss oder die Brüste nun hauptsächlich zum Ernähren des Babys da sind. Übrigens: Ihr braucht keine Sorge haben, dass ihr euch für euren Partner untenrum nicht mehr gut anfühlt, das ist ein Ammenmärchen. Zwar verändert sich mit einer Geburt auch die Vagina, aber sie ist so elastisch, dass sie sich nach kurzer Zeit wieder zurückbildet. Gezielt Rückbildungskurse können die Beckenbodenmuskulatur unterstützen und sorgen dafür, dass alles dicht bleibt.


Auswirkungen auf die Psyche


Nicht nur hormonelle und körperliche Folgen einer Geburt können sich auf das Leben als Paar auswirken. Besonders die psychische Komponente ist nicht zu unterschätzen und spielt vor allem auch für die frischgebackenen Papas eine große Rolle. Nach einigen Monaten Abstinenz, muss man sich vielleicht erst einmal wieder an den Gedanken gewöhnen, miteinander zu schlafen. Hinzu kommt, dass die Partnerin nun nicht mehr nur Partnerin ist, sondern eben auch Mama. Von der Geburt selbst über Windelwechseln bis hin zum Stillen, stehen nun andere Aufgaben auf dem Tagesplan und plötzlich ist das, was so erotisch und aufregend war, zum Stillen eines Säuglings da. Womöglich schwirren dem Papa auch noch die Bilder der Geburt im Kopf herum – und jegliche sexuelle Stimmung ist beim Gedanken daran dahin. 

Vielleicht hast du deinen Partner auch schon das ein oder andere Mal abgewiesen, weil dir einfach nicht nach Sex war. Das ist völlig normal und verständlich, kann jedoch bei deinem Partner auch Unsicherheiten auslösen oder die Angst, dir nicht zu genügen. Das kann so weit gehen, dass es dann einfach nicht “klappen” will, wenn ihr miteinander schlafen wollt. 


Das könnt ihr tun


Ihr seht, es gibt viele verschiedene Faktoren, die aus einem Liebespaar eher Mama und Papa machen – wobei sich beide Rollen nicht ausschließen. Um eure Ängste oder Unsicherheiten zu überwinden, sprecht am besten miteinander oder zumindest mit einem Freund oder einer Freundin darüber. Es ist ganz normal, dass man nach einer Geburt einfach keine Lust hat und ihr euch erst mal wieder einander näher müsst. Erzwingt nichts und fangt vielleicht langsam wieder an mit einer Massage, kuscheln oder einem gemeinsamen Bad. Nehmt euch Zeit füreinander, auch wenn ihr gerade natürlich auf euer Baby fokussiert seid. Versucht trotzdem, euch ganz konkret Momente nur für euch beide zu nehmen. Erwartet nicht zu viel vom ersten Mal nach der Geburt, bei vielen Paaren klappt es einfach nicht auf Anhieb – und das ist total in Ordnung und doch auch irgendwie tröstlich. Es muss nicht alles wieder so funktionieren oder sich anfühlen wie früher, schließlich hat sich einiges geändert. Tut das, was sich gut für euch anfühlt, macht euch frei von jeglichem Druck, direkt den besten Sex haben zu müssen. Nehmt es gelassen, kommuniziert offen und habt Verständnis füreinander. Wichtig ist, dass ihr euch nicht mit euren Unsicherheiten alleine lasst, schließlich seid ihr ein Team!

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