ZWISCHEN VORFREUDE UND VERSAGENSANGST - WIE PAPAS SICH FÜHLEN

Glück, Vorfreude, Liebe – ein Baby zu erwarten, löst wunderbare Gefühle aus.

 

Während werdende Mamas das kleine Leben ganz nah bei sich tragen und so eine besonders enge Bindung aufbauen können, können sich bei den Papas Sorgen und Ängste breitmachen. Wir haben mit Vätern über ihre Gedanken vor, während und nach der Schwangerschaft gesprochen.



Meine Frau und ich haben vor Kurzem unser erstes Kind bekommen und sind natürlich überglücklich und stolz. Während der Schwangerschaft habe ich alle Kurse und Arzttermine mitgemacht, das hat uns schon auch zusammengeschweißt, denke ich. In den ersten Wochen nach Pepes Geburt hatte ich neben dem Glück jedoch auch immer wieder das Gefühl, ich könne nicht gut genug sein oder etwas falsch machen. Mit meiner Frau konnte ich darüber aber ganz offen sprechen – das hat uns beiden sehr geholfen und uns näher zusammengebracht. 

Jannick, 34



Ich hatte auf jeden Fall sehr starke Ängste während der Schwangerschaft, was aber daran lag, dass es Komplikationen gab und wir einige Untersuchungen und Arztbesuche mitmachen mussten. Hilfe habe ich bei meiner Partnerin gefunden, aber auch in einem Vater-Forum im Internet. Es war schon sehr hilfreich, zu wissen, dass es auch anderen Papas so geht und dass man mit seinen Sorgen verstanden wird. Als ich Baby Clea dann endlich kerngesund in den Armen halten konnten, war das ein so überwältigendes Gefühl.

Dominik, 29


Komplikationen in der Schwangerschaft können verständlicherweise starke Ängste hervorrufen. Sprecht ganz offen mit dem/der Arzt/Ärztin sowie der Hebamme, lasst eure Fragen beantworten und teilt eure Sorgen auch mit eurer Partnerin.



Meine Tochter ist jetzt 12 Wochen alt und natürlich bin ich total stolz. Auf der anderen Seite habe ich wirklich starke Probleme, mich in meine Vaterrolle zu finden. Das geht damit los, dass die Kleine von Anfang an viel geschrien hat, wenn sie auf meinem Arm war – das hat mich total verunsichert. Beim Stillen kann ich logischerweise auch nicht wirklich helfen und das Windeln wechseln übernimmt meine Freundin, weil ich es nicht auf die Reihe bekomme. Es ist wirklich sehr frustrierend, ich will natürlich ein guter Vater sein. Leider hat sich der Frust auch auf meine Freundin übertragen, die sich natürlich viel mehr Unterstützung wünscht. Das sind auf jeden Fall Dinge, bei denen wir Hilfe brauchen und an denen wir noch weiter arbeiten müssen.

Martin*, 29


Ein Baby ändert auch eure Beziehung zueinander und kann sie sogar stark auf die Probe stellen. Versucht euch immer wieder klarzumachen, dass ihr dieselben Wünsche und Vorstellung habt – und redet auch darüber. An einem Strang zu ziehen ist unheimlich wichtig und kann helfen, die ein oder andere Verunsicherung zu überwinden.




Zu wissen, dass ich Vater werde, ist ein unglaubliches Gefühl. Ich meine, da entsteht einfach ein kleines Leben und ich bin dafür verantwortlich – das ist so groß. Natürlich habe ich auch Ängste und mache mir Gedanken. Da einige meiner Freunde derzeit auch Nachwuchs erwarten oder gerade ein Baby bekommen haben, kann ich meine Sorgen aber zum Glück teilen. Es ist schon etwas anderes, darüber mit anderen Papas zu reden. 

Leo, 32



Unser Baby war ein absolutes Wunschkind und als ich erfahren habe, dass wir Nachwuchs erwarten, habe ich mich unendlich gefreut. Während der Schwangerschaft habe ich dann gemerkt, dass in angefangen habe zu zweifeln: Bin ich wirklich schon bereit? Wird unsere Beziehung das aushalten? Was, wenn ich etwas falsch mache? – Das Gedankenkarussell ging immer weiter und ich habe teilweise wirklich Panik bekommen. Das war total schlimm für mich, weil ich mich ja eigentlich freuen sollte. Ich habe irgendwann mit meiner Freundin darüber geredet. Sie hat zwar versucht, mich zu verstehen, aber konnte meine Gefühle natürlich nicht nachvollziehen. Schließlich habe ich mich an einen Therapeuten gewandt, was mir wirklich sehr geholfen hat. 

Thomas, 33


Die Versagensangst kann natürlich wie bei Thomas, so stark werden dass sie alles kontrolliert. Wichtig ist zu wissen, dass man nicht allein ist und dass es Anlaufstellen und Personen gibt, die helfen können. Wendet euch zum Beispiel an die Hebamme, an die Elternberatung oder gar an eine/einen Psychologen/Psychologin. Kontaktinfos findet ihr weiter unten.


Als meine Freundin schwanger wurde, waren wir zwar schon einige Jahre zusammen, aber ein Kind hatten wir eigentlich erst für später geplant. Natürlich haben wir uns trotzdem unglaublich gefreut, als es passiert ist. Die einzige Hürde war jedoch, dass ich zu dieser Zeit zwischen Hamburg und Köln gependelt bin und nur am Wochenende zu Hause war. Das war natürlich gerade zum Ende der Schwangerschaft eine große Belastung, ich hatte wirklich das Gefühl, sie allein zu lassen. Am meisten Angst hatte ich davor, dass das Baby vielleicht früher kommen könnte und ich die Geburt verpasse. Das ist glücklicherweise nicht passiert, Frederik hat sich ganz schön Zeit gelassen!

Niko, 27




Es ist ganz normal und verständlich, wenn man verunsichert ist. Das geht vielen Frauen nicht anders. Euer Leben verändert sich komplett, ihr habt nun die Verantwortung für einen kleinen Schatz. Das kann natürlich einschüchternd sein, aber es ist auch wunderschön. Das wichtige ist, dass ihr darüber redet und eure Gefühle und Ängste teilt. Sprecht mit eurer Partnerin, Freunden oder eurer Hebamme. Wir haben auch immer ein offenes Ohr für euch: Schreibt uns bei Social Media und unsere Experten können euch eure Fragen kompetent beantworten.

Ihr könnt euch mit euren Sorgen natürlich auch an die Elternberatung wenden. Online unter bke-elternberatung.de oder telefonisch unter der 0800 111 0 550. Weitere Infos und Anlaufstellen findet ihr unter elternsein.info.


*Name wurde von der Redaktion geändert.

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