Baby Bonding: Liebevoll Fläschchen geben

Es ist gar nicht so leicht, Informationen zur Fütterung von Muttermilchersatznahrung zu bekommen, die nicht direkt von den Herstellermarken stammt. Auch wie das Füttern am besten gelingt, um wenig Bauchweh und viel Nähe zu schaffen, wird nicht immer gut beschrieben. Dabei kannst du beim Fläschchengeben das Bonding, also die Eltern-Kind-Bindung stärken und dein Baby ganz liebevoll füttern.

Es gibt viele Gründe, warum ein Baby über die Flasche gefüttert wird:

  • Teilweise fehlt die Unterstützung, sodass Mamas die eigentlich stillen wollten, am Ende nicht stillen können.
  • Manchmal gibt es persönliche Gründe, warum Stillen nicht in Frage kommt.
  • Vielleicht ist die Flaschenfütterung auch Teil eurer Strategie, um das Stillen und Mamas Arbeitszeiten besser unter einen Hut zu bringen, sodass Papa oder eine Tagespflegeperson sich gut um euer Baby kümmern können.


Fütterst du Pulvermilch, wird euer Kind grundsätzlich mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Nur die Kuscheleinheiten Haut-an-Haut, die beim Stillen ja fast automatisch mit dazugehören, können leicht aus dem Blick geraten.

Beim Fläschengeben kannst du ebenso wie beim Stillen das Bonding unterstützen, indem du

  • Haut- und Blickkontakt hältst,
  • dich beim Füttern auf euer Baby konzentrierst,
  • das Flaschegeben als Ritual gestaltest.


Liebevolle Streicheleinheiten, Aufmerksamkeit und feinfühlige Reaktionen auf die Bedürfnisse eures Kindes intensivieren die Bindung und stärken das Band zwischen euch und eurem kleinen Liebling.

Das richtige Setting beim Fläschchengeben

Damit ihr die Fläschchen-Zeit genießen könnt, solltest du zumindest anfangs für eine ruhige Umgebung ohne Ablenkung sorgen. Schalte also Radio oder Fernsehen ab und lege Handy und Buch zur Seite – dieser Moment soll euch beiden ganz allein gehören.
Falls du nicht für eine ruhige Atmosphäre sorgen kannst, weil ihr euch zum Beispiel an einem öffentlichen Platz befindet, kannst du deinen Kind mit einem atmungsaktiven Musselintuch vor Reizüberflutung schützen. Besonders Babys, die sich leicht ablenken lassen, kommen so eher zur Ruhe.


Unser weiches, aus Bambusfasern gefertigtes Musselintuch eignet sich nicht nur fürs Füttern super, es kann zum Beispiel auch als Spucktuch verwendet werden, dient als Wickelunterlage, wenn ihr unterwegs seid oder kann für ein Schläfchen locker über den Kinderwagen gehängt werden. In unserem Artikel zum Alleskönner Musselintuch findest du viele weitere tolle Verwendungsmöglichkeiten. 


Wichtig ist auch, sich für das Füttern ausreichend Zeit zu nehmen – es sollte nicht nebenbei oder zwischen Tür und Angel passieren. Je größer euer Baby wird, desto eher ist das Füttern – wie beim Stillen auch – eher ein kurzes Auftanken statt eines bindungsintensiven Moments. Aber solange es noch ganz klein ist, sind diese zarten Momente etwas ganz Besonderes.


Tipp: Beim Stillen wird das Bonding insbesondere über den konstanten Haut-an-Haut-Kontakt intensiviert. Das könnt ihr auch beim Fläschengeben übernehmen, indem ihr es euch mit Baby auf der Couch oder im Sessel „oben ohne“ gemütlich macht. Der direkte Hautkontakt wirkt beruhigend auf euer Kind, es kann den vertrauten Herzschlag ohne hinderliche Kleidungsschichten spüren.

Neugeborene können anfangs noch Probleme mit der Temperaturregulierung haben, der elterliche Hautkontakt ohne Barrieren hilft ihnen aber dabei, sich zu stabilisieren.


Toll ist es auch, wenn ihr zu dritt den Moment genießt: die Flasche zu geben dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern trägt ganz wesentlich zum Bonding zwischen euch bei. Als Mama und Papa könnt ihr beide diese liebevollen Momente mit eurem kleinen Kind voll und ganz genießen. Am schönsten wird es aber, wenn ihr es euch gemeinsam gemütlich macht und diese Innigkeit spüren könnt. 

„Ohne Nähe kann Bindung nicht gelingen, Bindung braucht einen Mittler, das sind die Augen, die Haut, die Blicke, die Gerüche, die Berührungen, die emotionalen Signale.“

Baby Bonding: Liebe schenken beim Fläschchengeben

Einfache Mittel, um beim Fläschengeben zu bonden:

1. Blickkontakt halten
2. Paced Bottlefeeding
3. Hautkontakt
4. Liebevolle Zwiegespräche
5. Rituale gestalten


Um dem Kind beim Füttern mit dem Fläschchen Geborgenheit und Nähe zu schenken, halte Blickkontakt. So spürt dein Baby, dass du da bist, während du gleichzeitig schneller bemerkst, wann dein Kind satt ist – oder eine kleine Pause für ein Bäuerchen benötigt.
Wichtig: Babys im ersten Lebensjahr sollten nicht mit der Flasche allein gelassen werden. Es ist wichtig, dass immer jemand mit dabei ist, der im Falle eines Verschluckens die Flasche sofort wegnehmen und das Baby aufrichten kann.


Über das sogenannte paced bottlefeeding lernt euer Baby außerdem, ganz in seinem Tempo zu trinken. Dafür wird das Baby aufgerichtet und die Flasche möglichst horizontal gehalten. Sei geduldig und bleib ruhig, wenn es auf diese Weise etwas länger dauert – gerade das langsamere Trinktempo befriedigt das Saugbedürfnis eures Kindes während des Fütterns, während ihr die Nahrungsaufnahme dafür nutzt, um zu bonden.


Durch direkten Hautkontakt, wie es beim Stillen der Fall ist, kannst du außerdem das Bonding zwischen euch weiter unterstützen und eine innige und vertraute Atmosphäre schaffen. Füttert euer nacktes Baby mit freiem Oberkörper, sodass ihr direkten Haut-zu-Haut-Kontakt habt und euer Baby euch riechen kann. Achte darauf, dass es warm genug ist und ihr euch in eine Decke einkuschelt. Durch die Wärme, deinen Geruch und die Nähe entsteht ein ganz besonders inniger Moment und euer Kleines fühlt sich geborgen.


Sprich während des Fütterns liebevoll mit deinem Baby und lächle dein Kind an – die Zuwendung und Zuneigung geben dem Kind Sicherheit und tragen zur emotionalen Verbindung bei. Gerade in der ersten Zeit sollten nur Mama und Papa die Flasche geben. Feinfühlige und  liebevolle Zuwendung ist essenziell für eine gelungene und starke Bindung – und neben dem Windeln wechseln wird es vor allem die Zeit des Fläschengebens sein, die ihr anfangs reichlich erleben werdet.


Außerdem fühlt sich euer Baby bei Mama und Papa besonders sicher, da es euren Geruch und eure Stimme schon kennt. So kann es sich voll und ganz auf das Trinken konzentrieren. Das schafft Vertrauen und stärkt das Band zwischen Mutter, Vater und Kind. Sicher gebundene Kinder haben ein starkes Urvertrauen und später ein gesundes Selbstbewusstsein. Das Thema Bonding erklären wir in unserem Artikel 1x1 des Baby Bondings: Was ist es, wann beginnt es und wie funktioniert es? noch genauer.

„Babys lieben den das innige Ritual des Stillens oder des Fläschengebens weit über den ersten Geburtstag hinaus."

Gut zu wissen

Bonding Rituale schaffen

Rituale schaffen ebenfalls vertrauen und erleichtern es eurem Kind, sich in der Welt zurecht zu finden. Bei Stillkindern ist eins der liebsten Rituale oft das Einschlafen an der Brust. Bei Kindern, die mit der Flasche genährt werden, ist das oft auch ein hochgeschätztes Ritual, das Sicherheit und Geborgenheit bietet.


Wichtig: Natürlich ist es wichtig und richtig, sich Gedanken um die Zahngesundheit eures flaschenernährten Kindes zu machen. Oft steht das aber in Abwägung dazu, wie sich das Einschlafritual möglichst kind- und elterngerecht gestalten lässt.


Füttern unterwegs: so geht's
Für den Hunger unterwegs kannst du einen Thermobecher mit abgekochtem, heißem Wasser, etwas kühles Wasser sowie Fläschchen und Milchpulver einpacken, damit du auch unterwegs schnell das Fläschchen anrühren kannst.


Fütterst du unterwegs abgepumpte Muttermilch mit der Flasche? Probiere zu Hause und in Ruhe aus, ob euer Kind raumtemperaturwarme Muttermilch akzeptiert – dann musst du die vorbereitete Flasche mit Muttermilch unterwegs nur rechtzeitig aus einer Kühlpackung nehmen (im Sommer/bei hohen Außentemperaturen) und kurz wahlweise in warmen Wasser aus der Thermosflasche oder zwischen deinen Händen erwärmen. Leicht ablenkbare Babys lassen sich unterwegs leichter in einer ruhigen Umgebung füttern. Stillräume in Einkaufszentren, Flughäfen oder in öffentlichen Gebäuden sind eine erste gute Anlaufstelle. Manchmal klappt das Füttern unterwegs auch nur im Auto. Falls euer Baby anfangs unterwegs nicht trinken mag oder ihr euch unsicher fühlt, erzwingt nichts – und beschränkt die ersten Ausflüge mit Baby auf kürzere Zeiten.

Probiere doch mal...

Positionen wechseln beim Baby füttern

Um das Stillen beim Fläschchengeben nachzuahmen, solltest du hin und wieder die Position deines Babys wechseln. Beim Stillen trinkt das Baby ja auch mal aus der einen, mal aus der anderen Brust – lege deinen Schatz darum bei der nächsten Mahlzeit in den anderen Arm, um diesen Wechsel zu imitieren.


Wie Herbert Renz Polster in seinem Buch Kinder verstehen beschreibt, steuern die meisten Kinder intuitiv eher die linke Körperseite an – wahrscheinlich, weil sie den vertrauten Herzschlag der Mama wahrnehmen und sich dort besonders wohlfühlen. Wenn euer Baby also eine Lieblingsseite für das Füttern zu haben scheint, dann kann das durchaus noch aus der innigen Nähe während der Schwangerschaft und seiner Vorliebe für deinen Herzschlag resultieren.


Alles zum Thema Baby Bonding findest du auch in unserem MABYEN Ratgeber zum Thema Bonding, der in Kooperation mit dem GU-Verlag entstanden ist. Wir begleiten dich von der Frühschwangerschaft bis zur Geburt, dem Wochenbett und auch bis ins erste Lebensjahr hinein und geben dir wertvolle Tipps. Hier kannst du mehr darüber erfahren: Starke Bindung von Anfang an: Nestwärme, die ein Leben lang trägt.

Gründe, wieso das Stillen nicht klappt

Es gibt verschiedene Ursachen, wieso das Stillen bei Mamas nicht klappt. Natürlich kann es auch sein, dass du übergangsweise nicht stillen kannst – Gründe dafür können Milchstau, wunde Brustwarzen oder eine Saugverwirrung sein. Das ist meist aber temporär und lässt sich gut lösen.
In seltenen Fällen macht die Einnahme bestimmter Medikamente eine Stillpause nötig. Häufig sind aber stillgeeignete Ersatzmedikamente verfügbar. Sprich mit deinem behandelnden medizinischen Fachpersonal darüber und lasst euch gemeinsam über Embryotox über etwaige Alternativen für die Behandlung beraten.


Bestimmte Grunderkrankungen, wie eine tubuläre Brust ohne Drüsengewebe, aber auch Hormonstörungen oder eine nicht ausreichend eingestellte Schilddrüsenerkrankung können dafür sorgen, dass du nicht oder nicht voll stillen kannst, weil nicht ausreichend Muttermilch gebildet wird.


Verbleiben Plazentareste nach der Geburt im Uterus, kann das ebenfalls die Muttermilchproduktion behindern.
Für eine geringe oder ausbleibende Milchproduktion kommen als Gründe auch das PCO-Syndrom oder eine vorausgegangene Brust-Operation in Frage.


Nicht immer hat es mit der Milchproduktion der Mama zu tun, dass das Stillen nicht klappt. Einige Babys verweigern die Brust oder haben (zum Beispiel aufgrund von Krankheit oder weil sie Frühchen sind) eine Saugschwäche, einige Babys zeigen behandlungswürdige orale Restriktionen (Stichwort Zungenband) und können deshalb nicht ausreichend stark an der Brust saugen.
In jedem dieser Fälle ist volles Stillen meist nicht so einfach und ohne weitere Unterstützung durch ausgebildete Still- und Laktationsberaterinnen möglich.


Ob du stillst oder nicht, hat nichts mit einer liebevollen Mama zu tun – und du kannst auch beim Fläschchengeben mit deinem kleinen Schatz bonden.