So bereitest du dich vor

Sicher und selbstbestimmt gebären

Eine sichere und selbstbestimmte Geburt stärkt und trägt dich durch das Wochenbett, erleichtert das Bonding mit eurem Neugeborenen und lässt dich die Geburtsanstrengungen leichter vergessen. 

In diesem Beitrag fassen wir für dich zusammen, auf was du bei der Auswahl eines Geburtskrankenhauses achten solltest, was eine sichere und selbstbestimmte Geburt ausmacht und wie du dich bestmöglich auf die Geburt vorbereiten kannst. 

Die selbstbestimmte Geburt planen

 „Ein Kind zu gebären ist eine Grenzerfahrung.“ Mit diesem Satz leitet die Autorin Nora Imlau ihr Buch “Das Geburtsbuch“ ein. Wer bereits geboren hat, wird ihr zustimmen. Denn diese Grenzerfahrung einer Geburt wird dich als Mutter und euch als Paar ein Leben lang begleiten. Für viele Frauen ist sie ein ganz besonderer Moment, an den sie trotz der Geburtsstrapazen voller Glück zurückdenken können. 

Was genau eine gute Geburt ausmacht, das empfindet jede Frau unterschiedlich. Eine als gut und sicher empfundene Geburt kann 

  • unter ständiger Begleitung durch deine Hebamme erfolgen. 
  • relativ allein im Kreißsaal oder Geburtshaus, mit der Hebamme in Rufweite stattfinden. 
  • möglichst ohne medizinische Eingriffe passieren. 

Eine für dich gute und sichere Geburt kann aber auch bedeuten, dass du in einem großen Krankenhaus mit Neonatalbegleitung gebären möchtest oder jederzeit Zugriff auf eine passende Schmerzmedikation haben willst. 

In der ersten Schwangerschaft kannst du dich allerdings noch nicht auf eigene Erfahrungswerte verlassen. Das macht es deutlich schwieriger, die für dich passenden Geburtsbedingungen zu bestimmen. Bei einer Folgeschwangerschaft bist du dagegen bestimmt schon sicherer, was sich für dich richtig anfühlt oder worauf du gut verzichten kannst. 

Sicher gebären im Krankenhaus

Die Wahl des Geburtsorts bestimmt darüber, wie selbstbestimmt und sicher euer Kin auf die Welt kommen wird. Hast du dich im ersten Schritt für eine Krankenhausgeburt entschieden, wählst du am besten ein babyfreundlich zertifiziertes Krankenhaus aus.

Ein babyfreundliches Krankenhaus

Hat nicht jedes Baby bei der Geburt das Recht, freundlich in unserer Welt empfangen zu werden? Grundsätzlich natürlich schon, doch das besondere an einem babyfreundlichen Krankenhaus ist, dass hier nochmal besonders auf das Baby Bonding geachtet wird - das finden wir natürlich super.  

Eine babyfreundliche Geburtsklinik hat von der gleichnamigen Initiative, nämlich www.babyfreundlich.org, der WHO und UNICEF das Qualitätssiegel “babyfreundlich” erhalten. Wenn Krankenhäuser nachweisen, dass sie die Eltern-Kind-Bindung, die Entwicklung von Babys und auch das Stillen fördern, bekommen sie das Siegel.  

Das bedeutet, dass die babyfreundlichen Kliniken die sogenannten B.E.St.-Kriterien erfüllen, was alle drei Jahre geprüft wird. B.E.St. ist ein internationaler Betreuungsstandard, der von den Krankenhäusern erfüllt werden muss, um als babyfreundlich zu gelten. 

Was zeichnet ein babyfreundliches Krankenhaus aus?

Das Personal der Geburtshilfe im babyfreundlichen Krankenhaus ist besonders geschult, um euch als Eltern bei der Eltern-Kind-Bindung unterstützen zu können. Im Klinikalltag steht so die Eltern-Kind-Bindung, die Entwicklung des Babys und das Stillen im Vordergrund. Das Personal unterstützt dich bei allen Fragen, die du zu den Themen Schwangerschaft und Geburt, Baby und natürlich dem Aufbau einer innigen Eltern-Kind-Bindung hast.

Hebamme, Geburtsplan, Geburtsort!

So bereitest du dich bestmöglich auf die Geburt vor

  1. Suche dir rechtzeitig eine Hebamme. Die Hebammensuche ist je nach Wohnort schwierig, aber eine vertraute Person an deiner Seite zu haben, die dich während der Geburt stärkt und deine Interessen vertritt, ist wertvoll! 
  2. Erstelle einen Geburtsplan, der deine Wünsche in Bezug auf alles, was die Geburt betrifft, festhält (zum Beispiel zum Bonding, zu medizinischen Interventionen, mögliche Behandlungen oder Medikamentengaben)     . 
  3. Wähle dir einen Geburtsort aus, bei dem deine Wünsche wahrscheinlich am besten eingehalten werden können. 

Selbst entscheiden!

1

Warum ist eine sichere und selbstbestimmte Geburt wichtig?

Leider wird schon seit längerem von Gewalterfahrungen in der Geburtshilfe berichtet. Fehlende Aufklärung, zu viele medizinisch nicht immer notwendige Eingriffe und fehlende Eins-zu-Eins-Betreuung tragen dazu bei, dass sich eine Geburt ganz und gar nicht wie eine einzigartig schöne Erfahrung anfühlt - und auf manche sogar traumatisierend wirkt.  

Knapp ein Drittel aller Gebärenden erleben die Geburt als ein traumatisches Ereignis. Wochenbettdepressionen werden bei rund 13 Prozent der Mütter und 10 Prozent der Väter diagnostiziert. Zwischen 2 Prozent und 4 Prozent entwickeln daraufhin eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). 

Neben individuellen Risikofaktoren für psychische Erkrankungen sind es als gewaltvoll erlebte Geburten, die diese Entwicklung verstärken. Das wirkt sich auch auf die Eltern-Kind-Bindung aus. Sich auf euer neugeborenes Baby einzulassen und gleichzeitig eine schwere Geburt zu verarbeiten, das ist zu viel auf einmal. Neben der körperlichen Heilung braucht auch die Psyche viel Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. 

Was kannst du schon in der Schwangerschaft tun, um sicher und selbstbestimmt zu gebären? Ein Geburtsplan ist zur Vorbereitung eine gute Möglichkeit, dich mit deinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen auseinander zu setzen. Du notierst, welche medizinischen Interventionen für dich unter konkreten Bedingungen infrage kommen. Du kannst auch festhalten, dass du bei einem sekundären Kaiserschnitt dein Neugeborenes zum Bonding auf die Brust gelegt bekommen möchtest. 

Wir empfehlen dir, die für dich wichtigsten Punkte so kurz wie möglich zusammen zu fassen und mit in die Klinik zu nehmen. Mit deinem Partner oder deiner Partnerin, einer Doula oder weiteren Begleitpersonen kannst du diesen Geburtsplan mit den Geburtshelfern sowie den Fachärzten besprechen. 

2

Was ist eine sichere und selbstbestimmte Geburt? 

Eine sichere und selbstbestimmte Geburt ist jene, bei der deine individuellen Wünsche und Bedürfnisse respektiert werden. Du kannst den Geburtsort, den Geburtsmodus und die Personen, die dich bei der Geburt begleiten sollen, frei wählen. Während der Geburt wirst du über alles, was passiert, gut aufgeklärt und kannst medizinischen Eingriffen zustimmen. 

Jede Schwangere hat eigene Präferenzen und jede Schwangerschaft verläuft individuell. Deshalb ist es wichtig, dass du eine Wahl zwischen den verschiedenen Geburtsorten, der Art der Behandlung und den Personen, die dich dabei betreuen, passend zu deinen Wünschen treffen kannst. Eine wohnortnahe Versorgung mit Geburtskliniken und ausreichend außerklinische Geburtsorte wie Geburtshäuser sowie Hebammen für Hausgeburten sind dafür eine wichtige Basis. 

Eine kontinuierliche Eins-zu-eins-Betreuung der Geburt durch eine Hebamme, die dir Vertrauen und Zuversicht gibt, sorgt für größtmögliche Sicherheit. Das gilt übrigens auch für Situationen, in denen es schwierig wird.                         

3

Was ist eine gewaltvolle Geburt? 

Gewalt unter der Geburt kann unterschiedlich erlebt und bewertet werden. Ohne Absprache verabreichte Medikamente oder das Verweigern von Medikamentengaben, unangekündigte oder grobe körperliche Untersuchungen, das Hinwegsetzen über die Wünsche der Gebärenden sowie abfällige, herabsetzende oder beleidigende Sprache zählen dazu. 

Wird euer Baby nach der Geburt ohne zwingende medizinische Gründe von euch getrennt, zählt das ebenfalls zu Gewalt unter der Geburt. Das Bonding der ersten Stunde lässt sich zwar nachholen, trotzdem kann eine unnötige Trennung von Mama und Baby sehr belastend wirken.  

4

 Mother Hood e. V. setzt sich für sichere Geburten ein!

2015 gründete sich die Elterninitiative Mother Hood e.V. und setzt sich seitdem für sichere, gewaltfreie und selbstbestimmte Geburten sowie eine Verbesserung der Geburtshilfe in Deutschland ein. 

Für Eltern bietet der Verein verschiedene Hilfsangebote an: 

  • Hilfetelefon nach schwieriger Geburt“ mit kostenloser Beratung nach belastenden Geburtserfahrungen  
  • Online-Elternkurs zur Vorbereitung auf die Elternschaft 
  • Ausstellung #BlackboxGeburt im Rahmen der Corona-Pandemie 
  • Kaiserschnittkarte visualisiert die Kaiserschnittrate jeder einzelnen Geburtsklinik 

Hast du bereits eine belastende Geburt erlebt, dann steht dir Mother Hood e. V. mit seinem Beratungsangebot wie dem Hilfetelefon zur Seite. 

Zusätzlich richtet der Verein Forderungen für eine verbesserte Geburtshilfe      an politische Entscheidungsträger. 

MABYEN unterstützt Mother Hood als ein Hauptpartner finanziell und kommunikativ bei ihrer Mission für sichere und selbstbestimmte Geburten und einen respektvollen Umgang in der Geburtshilfe. Denn schwierige und gewaltvolle Geburten belasten die Eltern-Kind-Bindung – Unser Ziel ist es, euch bei einer starken, sicheren und liebevollen Bindung mit eurem Baby zu unterstützen. Hier erfährst du noch mehr über den Verein und die Zusammenarbeit. 

Nach der Geburt

Wie wird die Eltern-Kind-Bindung unterstützt?

In einer babyfreundlichen Geburtsklinik haben Mutter und Baby, wenn es gesund ist, direkt nach der Geburt Zeit für ungestörten Hautkontakt. Ihr könnt euch als frischgebackene Familie erst einmal kennenlernen. Dabei liegt das Neugeborene nur mit einer Windel bekleidet auf Mamas oder Papas nacktem Oberkörper, denn das fördert das Bonding zwischen Eltern und Baby. Hier wird euch mindestens eine Stunde Zeit eingeräumt, bevor es zu Routine-Untersuchungen kommt. Auch bei zu früh geborenen Babys oder kranken Kindern wird auf den Haut-zu-Haut-Kontakt geachtet sofern dies medizinisch möglich ist, denn dann brauchen Babys ihre Mutter oder ihren Vater ganz besonders.  

Unser Kind liegt ständig nackt auf uns. Das war uns vorher nicht so klar und da sind wir klasse angeleitet worden. Schon direkt nach der Geburt blieb unsere Kleine die ganze Zeit auf mir. Sogar, als wir im Bett durch das Krankenhaus gerollt wurden! Ich glaube, ich gebe sie einfach nie wieder her. 

– Nina mit Mila via babyfreundlich.org 

 

Mehr zum Baby Bonding bei Frühchen liest du auch in unserem Artikel Baby Bonding: Känguruhen ist Kuscheltherapie für die Kleinsten

In einer babyfreundlichen Einrichtung wird auch das Stillen unterstützt und nicht sofort die Flasche angeboten, es sei denn es ist medizinisch notwendig oder ausdrücklich gewünscht. Stillen ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die natürlichste, aber auch die beste Säuglingsnahrung. Deine Muttermilch ist auf die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand deines Babys angepasst und versorgt es mit Nährstoffen und Antikörpern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtshilfe zeigen dir, wie du stillen kannst und beraten dich auch, wenn es nicht sofort klappt.  

Auch bei einem Kaiserschnitt wird den Mamas geholfen, Körperkontakt herzustellen und das Baby zum Stillen anzulegen. Durch den Haut-zu-Haut-Kontakt und das erfolgreiche Stillen wird ein optimaler Start ins Leben für dein Kind geschaffen. In einem babyfreundlichen Krankenhaus kannst du bei einem Kaiserschnitt außerdem oft direkt nach der Kaisergeburt euer Kind nicht nur sehen, sondern oft auch halten oder direkt auf die Brust gelegt bekommen.  

Auf Schnuller und künstliche Sauger wird hier verzichtet, damit es zu keiner Saugverwirrung kommt, was das Stillen behindern könnte. Auch wird euch das Personal der Geburtshilfe ermuntern, dein Kind nach Bedarf zu stillen. Wenn du keinesfalls stillen möchtest, wird das aber ganz selbstverständlich ebenfalls akzeptiert und du erhältst Unterstützung dabei, euer Kind mit der Flasche zu nähren. 

Ich wollte mein Kind auf keinen Fall stillen. Das war aber überhaupt kein Problem. Ich habe Kolostrum gegeben, damit hat man mir gut geholfen. Und sie haben mir gezeigt, wie ich total kuschelig die Flasche geben kann. 

– Monika & Justin via babyfreundlich.org 

In babyfreundlichen Krankenhäusern gibt es auch ein 24 Stunden Rooming-in, das bedeutet, dass Mama und Baby Tag und Nacht zusammen bleiben können. Auch nach dem Entlassen aus der Klinik gibt es noch weitere Angebote, wie z.B. Stillcafés oder Eltern-Kind-Gruppen.  

Stillen ist eine wichtige Bindungs-Methode, die wir auch mit unseren Produkten unterstützen möchten. Deshalb kannst du mit unserem Mama Bio Stilltee mit Bio-Honigbusch die Milchbildung unterstützen. Viel trinken ist beim Stillen auch für dich als Mama wichtig. Unser Mama Bio Stilltee kann die Milchbildung auf natürliche Weise unterstützen.  

Zusammenfassung: Das zeichnet babyfreundliche Krankenhäuser aus 

Babyfreundlich zertifizierte Krankenhäuser bieten in aller Regel  

  • interventionsarme Geburten unter 1:1-Hebammenleitung 
  • bei Bedarf/auf Wunsch Kaiserschnittgeburten mit Bonding im Kreißsaal 
  • 24h-Roomin-in und/plus Familienzimmer  
  • Unterstützung und Hilfe beim Stillen durch zertifizierte Still- und Laktationsberaterinnen 
  • Verzicht auf Schnuller, künstliche Sauger sowie auf Goodie-Bags mit diesen Inhalten 

Als Zusatzangebote kannst du in aller Regel auch Geburtsvorbereitungskurse, Stillvorbereitungskurse sowie Unterstützung bei der Hebammensuche in einer babyfreundlichen Geburtsklinik in deiner Nähe erhalten. 

Wie finde ich ein babyfreundliches und stillfreundliches Krankenhaus? 

Eine wohnortnahe Geburtsklinik ist ideal, aber noch besser ist natürlich ein babyfreundliches Krankenhaus. So findest du deine passende Geburtsklinik: 

  1. Du kannst eine babyfreundliche Klinik in deiner Nähe auf der Webseite der WHO/UNICEF-Initiative “Babyfreundlich” heraussuchen.  
  2. Deine Hebamme oder Frauenärztin/Frauenarzt beraten dich auch gern bei der Suche nach einer geeigneten Geburtsklinik.  
  3. Zusätzlich kannst du auch Freundinnen und Familienangehörige befragen, die vor kurzem Kinder bekommen haben.